dot aachen

by Tobias Kollewe

Es ist schon ein paar Monate her. Damals las ich in den Wirtschaftlichen Nachrichten der IHK Aachen einen kurzen Artikel über die Einführung der Top-Level-Domain .aachen. Interessierte Unternehmen mögen sich bitte bei der Stadtverwaltung melden. Da wir ja nun durchaus zumindest zu den interessierten Unternehmen zählen, habe ich kurzerhand den Telefonhörer geschwungen. Ergebnis: Es gibt noch keine Information. Man sammle noch.

Nun, die Sammlung scheint soweit abgeschlossen zu sein. Wie ich dem Blogbeitrag Toplevel Domain .aachen? von Felix Bosseler, der für die Piratenpartei im Aachener Rat sitzt, entnehmen kann, haben die Aachener Ratsfraktionen schon im Dezember einen gemeinsamen (!) Antrag eingereicht, der die Stadt beauftragt, kompetente Partner zu suchen, die die Top-Level-Domain beantragen und betreiben sollen. Lt. Michael Servos, Ratsmitglied der SPD, hat sich auch bereits ein Unternehmen gefunden, das die TLD betreiben und das wirtschaftliche Risiko übernehmen soll. (Ich bin gespannt, ob es sich um ein Unternehmen handelt, an dem die Stadt direkt oder indirekt beteiligt ist.)

Ohne das Thema “Kosten” hier breit treten zu wollen. Eine kurze Anmerkung sei erlaubt: Allein der Antrag kostet 185.000 US-$ (ohne Garantie auf Zulassung der Domain), der jährlich Betrieb verschlingt Kosten von bis zu 200.000 Euro. Felix Bosseler rechnet vor: Bei gerade noch erträglichen 40,- Euro Jahresgebühr für www.egalwashiersteht.aachen bräuchte es 5.000 registrierte Domains, um die jährlichen Kosten zu decken.

Viel interessanter finde ich ja die Frage: Was wollen wir damit?

OK, Aachen ist fast so hip und populär wie Berlin oder Los Angeles, in denen schon lange über die eigene Top-Level-Domain diskutiert wird.
Und sicherlich gibt es hier auch 5.000 Unternehmen und Privatpersonen, die ganz wild auf die .aachen-Endung sind.

Im Ernst: Die Himmelfahrtsinseln haben uns bereits .ac ermöglicht. Und mit welchem Erfolg? Mir sind keine nennenswerten Domains mit Bezug zu Aachen bekannt. Da mag auch der Preis (bei uns für 70,- netto pro Jahr) eine Rolle spielen. Oder die Akzeptanz beim Surfer: Auch die Piratenpartei, Eigentümer der www.piraten.ac, nutzt die Domain nicht als Hostnamen der eigenen Website, sondern leitet auf www.piratenpartei-aachen.de weiter.

.de, .com-net-org, vielleicht auch noch .info und .eu sind bekannt, beliebt und benutzt. Und alles andere läuft unter ferner liefen (auf und davon).
Mit viel tam-tam wurde die Einführung der .travel, und .jobs oder der Umlautdomains angekündigt und bejubelt. Den Erfolg sieht man…

Und der Einfluss auf Suchmaschinen? Suchmaschinen berücksichtigen Länder-basierte TLDs, wenn sie nur an Länder-gebundene Inhaber vergeben werden. Bei generischen Domains ist das nicht der Fall sein. Bei Orts-bezogenen wohl auch nicht.

.aachen? Nein, das ist nix. Und das wird nix.